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Kritik an Michael Stürmers Warnung vor einem “schwachen Russland” in DIE WELT

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Michael Stürmer, “Wir müssen verhindern, dass Putin pleitegeht: Der Ölpreis ist im freien Fall – das hatte schon die Sowjetunion ruiniert. Jetzt droht dem Kreml wieder der Bankrott. Aber ist ein abermaliger Niedergang Russlands im Interesse des freien Westens?” DIE WELT, 22.12.2015. http://www.welt.de/debatte/kolumnen/Weltlage/article150266728/Wir-muessen-verhindern-dass-Putin-pleitegeht.html

Michael Stürmer argumentiert hier nur scheinbar balanciert, da seine Axiome “extra-empirisch” sind.

Ein “Pleitegehen” Russlands ist angesichts hoher Devisen- und Goldreserven sowie des Rohstoffreichtums des Landes Schwarzmalerei.

Auch eine Aufspaltung Russlands nach dem Muster des UdSSR-Zerfalls, wie im Teaser angedeutet, ist unwahrscheinlich. Lediglich die nordkaukasischen Republiken könnten sich abspalten, und viele Russen würden diesen nicht nachweinen, wie wir aus Umfragen wissen. In den meisten anderen Republiken Russlands haben die Titularnationen keine Mehrheit. Russland ist – anders als die UdSSR – mit ca. 80% Bevölkerungsanteil ethnischer Russen de facto ein Nationalstaat und kein wirklich multinationales Land, wie oft behauptet.

Dass ein ökonomisch starkes Russland unter Putin im Interesse des Westens und Europas ist, widerspricht zeithistorischer Erfahrung. Ende 1999 verpflichtete sich Russland unter seinem damaligen Premierminister Putin in einem Moment ökonomischer Schwäche zum Truppenrückzug aus Transnistrien, den der Kreml allerdings später, unter immer besseren ökonomischen Bedingungen nicht umsetzte. Putins Entscheidung zu einer De-Facto-Annektion Abchasiens und Südossetiens wurde im August 2008 kurz vor der Weltfinanzkrise gefällt – in damals ökonomisch noch sehr guten Zeiten.

Die vom Kreml initiierte Krimannektion und der durch russische TV-Propaganda und Unterwanderung der Ukraine geschürte Donbasskrieg begannen vor dem Ölpreisabsturz. Seit im Sommer 2015 die Wirtschaftsmisere immer stärker auf das Budget und den Lebensstandard Russlands durschlägt, hat sich die Lage im Donbass deutlich beruhigt.

Stürmer betreibt hier wieder “Putinversteherei”, statt erfahrungs- und datengestützte Analyse.


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