Home » Uncategorized » Andriy Portnov: Hier spricht Moskau – Das russische Spiel mit deutschen Stereotypen

Andriy Portnov: Hier spricht Moskau – Das russische Spiel mit deutschen Stereotypen

Pages

Flickr Photos

Frozen lake

Chronique d'Angrignon | Harle couronné mâle | Parc Angrignon | Arrondissement Sud-Ouest | Montréal

'Beware the Facehuggers'

More Photos

Blog Stats

  • 19,054 hits

Artikel von #AndriyPortnov über die russische Propaganda und deren geschicktes Spiel mit den Stereotypen und Sentimente von Deutschen (Übersetzung aus dem Russischen: Ukrainische Botschaft in Berlin)

Moskau spricht

Die Putin-Propaganda spielt geschickt mit den Gegensätzen und Stereotypen der deutschen Gesellschaft, indem sie versucht diese davon zu überzeugen, dass die harte Konfrontation mit Russland wegen der Ukraine für Deutschland nutzlos ist.
Anfang März habe ich auf einer der berliner Straßen einen Stand “Gegen die Unterstützung der Nazis in der Ukraine durch Deutschland” gesehen. Jegliche Versuche rauszufinden aus welchem Grund die jungen Mädchen, die an dem Stand standen, den Majdan als “nazistisch” bezeichnen, sind misslungen. Ich wurde genervt nachgefragt, ob ich ein Mitglied der “faschistischen” Partei Swoboda sei, und gelehrt: “Wir, Deutsche sind gegen Faschismus». Um ehrlich zu sein, damals habe ich das Ausmaß des Propaganda-Krieges gegen die Ukraine nicht realisiert. Aber kurze Zeit danach hörte ich von deutschen Journalisten die das Geschehen in der Ukraine adäquat erleuchteten, dass unter jeder derer Onlinepublikation Hunderte von Kommentaren von “Kämpfern gegen den Faschismus, Frieden für die ganze Welt” blitzschnell entstanden. Ich entdeckte eine erstaunliche Regelmäßigkeit von Zeitungs-und Fernseherinterviews von “Russland-Verstehern” mit dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder [Kanzler der BRD 1998-2005] und Helmut Schmidt [Kanzler in 1974-1982].
Die Argumentation der “Russland -Versteher” findet mit der Begründung statt, dass die Ukraine ein unvollendeter Staat, eher ein zufälliger Ergebnis des Zerfalls der UdSSR, zu tiefst gespaltetes Land ohne selbstständige historische Subjektelemente sei, welches die EU hinzuziehen versucht, ohne die legitimierten Interessen Russlands zu berücksichtigen.
Die Menschen in Deutschland, die ein oder anderes Postulat von Putins Propaganda teilen, sind nicht eine homogene Gruppe. Unter denen sind viele Befürworter der Linker-Ansichten, die am meisten sukzessiv Putins Sprache benutzen und dabei von den “Nazis” und “Antisemiten” in der Ukraine sprechen. Die wichtigsten Ursachen sind dafür ein starker antiamerikanischer und antikapitalistischer Sentiment. Viele deutschen Linken glauben ernsthaft daran, dass dadurch, dass die Putin unterstützen somit gleichzeitig den USA gegenüberstehen. Eigentlich, interessiert sie die Ukraine in dieser Konstruktion nicht. In ihrem Verständnis ist die nur ein Schlachtfeld zwischen dem Guten und Bösen.

Die Rechtsradikale in Deutschland sind deutlich schwächer als die, die in Frankreich oder Großbritannien. Aber die Unterstützung von Putin basiert auf derselben Logik des Sentiments. Nur die treten gegen die weitere Eurointegration für Kiew. Am besten kommt derer Position durch die Formel:”Wir wollten nicht für Griechenland bezahlen, und schon gar nicht für die Ukraine” rüber.
Ein bedeutendes Teil des deutschen Großbussines unterstützen de-facto die russische Intervention in der Ukraine und somit sind gegen die sektoralen Sanktionen. Das Bussinesinteresse wird hierbei in die schöne Verpackung des Konsensus-Kultes eingewickelt, der mächtig in der deutschen politischen Kultur vorhanden ist. Gründend auf dieser Logik, alle (selbst die absurdesten) Verhandlungen sind alleine deswegen gut, weil die schon stattfinden und jeder beliebige Konflikt gelöst werden kann, wenn man nur genügend Kaffee miteinander trinkt.
Zum Schluss, die Putins-Propaganda spielt brillant mit den ziemlich gut verbreiteten kulturellen Stereotypen Deutschlands bezüglich der historischer Schuldfrage gegenüber Russland (aber nicht der Ukraine). Das Bewusstsein, dass das schreckliste Verbrechen auf den kompletten Gebieten von okkupierten Ukraine, Weißrussland und Polen, aber schon gar nicht Russlands, begangen wurden, gibt es in der deutschen Gesellschaft praktisch nicht. Das wird von der elementaren Unwissenheit gefördert.
In vielen deutschen Lexiken kann man beispielsweise lesen, dass Borschch- “russisches Essen” sei. In keiner einzigen Universität in Deutschland gibt es den Lehrstuhl für die ukrainische Geschichte und Literatur. Und nur in einigen wenigen Universitäten wird die ukrainische Sprache gelehrt.
Abgesehen von den systematischen Bemühungen der russischen Propaganda und der Beharrung auf den historischen Stereotypen, wäre es nicht richtig zu behaupten, dass die deutsche Regierung ausschließlich auf der Logik der Nachgeben und Nachlässen gegenüber Putin oder darauf, dass die Mehrheit der Deutschen eine Sympathie ihn gegenüber empfinden, basiert. Letzten Endes, das Ziel der antiukrainischen Propaganda ist ein anderes: die Verankerung der These in der Gesellschaft darüber, dass Deutschland nicht bereit gegen der harten Konfrontation mit Russland wegen der Ukraine ist und es auch nicht möchte.

http://nvua.net/opinion/portnov.html


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: