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KOMMENTAR ZU DEUTSCHER “ÄQUIDISTANTER” BERICHTERSTATTUNG ZUR SOGENANNTEN “UKRAINE-KRISE”

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Leider setzen sich – auch nach etlichen aufklärenden Kommentaren solch bedeutender Historiker, wie Timothy Snyder, Karl Schlögel oder Heinrich August Winkler – irreführende Kommentare deutscher Journalisten, die scheinbar erst kürzlich ein Interesse für die Ukraine entwickelt haben, fort. Hier ein Beispiel von Markus C. Schulte von Drach: Kiews Anteil an der Eskalation, in: Süddeutsche Zeitung, http://www.sueddeutsche.de/politik/gewalt-in-der-ukraine-kiews-anteil-an-der-eskalation-1.1972886. In ihrer betonten Äquidistanz zwischen okkupierendem Staat und okkupiertem Land werden die Entscheidungsoptionen der Kiewer Regierung häufig kontekstfrei und ahistorisch diskutiert. Manchmal führen kleine Ungenauigkeiten in der empirischen Analyse zur Entwicklung von weitreichenden analytischen Fehlurteilen, wie im genannten Beispiel z.B. betreffs der genauen Umstände der Delegitimierung, Selbstentfernung und schließlichen Entmachtung Janukowitschs als Präsident der Ukraine. Viele derartige Kommentare aus der Vogelperspektive ignorieren vor allem, dass politische Führungsmannschaften in heiklen Krisensituationen, wie der jetzigen ukrainischen, selten die Wahl zwischen guten und schlechten Entscheidungen haben. Häufig besteht die Alternative lediglich zwischen einer schlechten und riskanten Politik auf der einen Seite bzw. einer sehr schlechten und noch riskanteren Politik auf der anderen, wobei der Druck für diese oder jene Politikoption aus verschiedenen ukrainischen Bevölkerungsteilen bzw. von ausländischen Akteuren im Angesicht ihrer teilweise existentiellen, ja potentiell weltpolitischen Folgen enorm ist. Oft ist im voraus nicht klar zu erkennen, welche Politik welche Folgen haben wird, und erst im Nachhinein klärt sich der Nebel auf. Auch ist nur schwer einzuschätzen, welche politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Massnahmen Kiews unter Bedingungen offensichtlicher politischer Sabotage und Boykottierung durch Moskau und dessen Agenten in der Ukraine realistischerweise umsetzbar wären. Der prinzipiell nicht schlechte Vorschlagskatalog des SZ-Kommentators Markus C. Schulte von Drach wirkt vor dem Hintergrund der politischen Realität in Kiew, der komplizierten Lage in der Ost- und Südukraine und der vielfachen aktiven Obstruktion politischer Stabilisierung in der Ukraine durch den Kreml bestenfalls schematisch, wenn nicht naiv bis weltfremd. Seine beidseitige Kritik sowohl an Moskau als auch Kiew ist nur scheinbar balanciert. Sie verkennt, dass Russland in der Vorhand ist, aktiv agiert und die tägliche Agenda vorgibt. Der Kiewer Regierung bleibt wenig mehr als eine – oft hektische und daher nicht selten ungestüme – Reaktion auf diese oder jene neue Moskauer Aktion, Provokation oder Manipulation. Die Verkennung dieser, aus westlicher Sicht, in ihrer Kompliziertheit kaum nachzuvollziehenden Herausforderungen wiederum führt zu einer schrägen Sicht der europäischen Öffentlichkeit auf die Problemlage in der Ukraine und die Fehlkonzipierung des ukrainisch-russischen Konflikts als eine “Ukraine-Krise”, die durch klügere Kiewer Politik und westliches diplomatisches Feintuning zu lösen ist.

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